Okay, hier haben wir etwas wirklich Besonderes. "The other F Word" ist eine von Morgan Spurlock (jep, der Typ aus "Supersize Me") produzierte Dokumentation über ... *trommelwirbel* ... Punk-Väter! Klingt jetzt im ersten Moment vielleicht dumm, aber die Idee dahinter ist wirklich interessant. Immerhin ist Punkrock ja am ehesten als der Ethos zu bezeichnen, der nie erwachsen sein will, nie alt werden will, nie Verantwortung übernehmen will. Nun ja, mittlerweile sind die Vorreiter dieser Bewegung auch schon an die 40 oder darüber hinaus, und irgendwann stellt sich dann doch auch eine gewisse Art von Familienleben ein. Was dann passiert und wie so eine alternative Art der Erziehung und Lebensführung aussehen kann, das gibt´s in diesem Film zu sehen. Und die Macher der Doku haben auch durchaus viel Gespür dafür, wie und wann sie ein Interview zu führen haben und wie weit sie in die Privatsphäre der Leute eindringen können. Das Ergebnis? Interviews mit einigen der größten und bekanntesten Sängern und Mitgliedern von Bands wie Pennywise (Jim Lindberg, der die Zentralfigur in der Doku übernimmt und zum Drehzeitpunkt 2009 noch in der Band war), NOFX (Fat Mike), Red Hot Chili Peppers (Flea, der Bassist) und auch "unbekannteren" Klassikern wie den U.S. Bombs (Duane Peters, der die wohl tragischste Geschichte im Film hat) sowie anderen "Outlaws" wie Pro-Skater Tony Hawk oder Pro-BMX-Rider Rick Thorne. Einblicke in eine Welt und in ein "mindset", die man als "normaler Mensch" nicht kennt. Und das Ganze verpackt auf wirklich berührende Art und Weise, die zeigt, dass Punk-Rock-Berühmtheit am Ende des Tages auch nur eine Art Job ist - und eine verdammt anspruchsvolle noch dazu.
Dass es auch Kritikpunkte gibt, ist klar - manche der Aktionen, die sich einige der Charaktere liefern (so zum Beispiel Fat Mike, der doch recht fragwürdige Aussagen liefert), sind diskutabel. Aber auch das gehört zu dem Ethos dazu und muss dokumentiert werden; für mich wäre es schlimmer, wenn die Herren sich für die Kamera verstellen und "Hey, alles lässig, alles okay, ich bin ein guter netter Mensch geworden" sagen würden.
Ich persönlich habe den Film in all seinen Facetten genossen - wobei ich zugeben muss, dass ich "vorbeschlagen" bin und all diese Bands und Charaktere seit mehr als einem Jahrzehnt verfolge, weil ich die Musik einfach immer noch liebe. Aber ich glaube, dass sich auch jeder, der sich mit dem Thema Kinder bekommen und Vaterschaft beschäftigen will, hier etwas findet, das ihn / sie fasziniert. Ich kann den Film einfach nur empfehlen.
Derzeit gibt´s ihn leider nur als Import-DVD, aber das war´s mir wert. Hoffentlich erscheint er auch mal hierzulande - sonst entgeht uns Deutschsprechern einiges.

Kino-Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=zZkWHZ3hJtY